50 Jahre Mondlandung

Selbst als kleiner Astronaut 1969

Selbst als kleiner Astronaut 1969

Vor 50 Jahren landeten die ersten Menschen auf dem Mond und ich kann sagen, ich bin dabei gewesen.

Ob ich tatsächlich den entscheidenden Moment der Landung am Fernsehen mitverfolgt hatte, kann ich aufgrund der Vagheit der Erinnerung nicht mehr mit Sicherheit sagen. Ich sehe mich aber, auf Decken gebettet, denn es war spät, auf dem Sofa meiner Großmutter, den Blick mit Spannung auf den Schirm gerichtet. Vielleicht war es aber auch die Rückkehr der Astronauten und ihre Wasserung im Ozean, denn das innere Bild davon ist von Blau angefüllt.

Dass mich das ganze Ereignis stark beeindruckt hatte, zeigt obiges Foto, das mich als kleinen Astronauten mit einem Bild der Mondoberfläche, wahrscheinlich aus dem Stern, abbildet. Meine Ausrüstung bestand aus der Fechtmaske meiner Mutter (auf einem anderen Bild zu sehen) als Helm, einem zylindrischen Sofakissen als Sauerstofftank, sowie einem Gummischlauch, der dem Labor meiner Mutter entstammte, als Verbindungsstück. Zudem hatte ich aus Mobiliar der heimischen Küche ein Mondmodul gebastelt.

Auch die folgenden Jahre ließ mich das Thema Raumfahrt nicht los, so dass selbst meine Schultüte 1971 mit Motiven der Mondlandung (Apollo 14 oder 15) geschmückt war.

Grenzen des Wachstums

Drei technische Errungenschaften haben das 20 Jahrhundert geprägt: die Atombombe, das Fernsehen und die Mondlandung. Auch wenn letztere weniger gewichtig erscheinen mag, hat sie doch entscheidend unsere Sicht auf die Erde geprägt. Unseren blauen Planeten in seiner Gesamtheit inmitten des schwarzen, grenzenlosen Weltraums zu erblicken, vermittelte einen besonderen Eindruck seiner Einzigartigkeit und damit indirekt den Auftrag zu seinem Schutze. Erst mit diesen Bildern bekam der Begriff ‚global‘ eine allen Menschen gleichermaßen einsichtige Darstellung. Und kaum ein Poster dürfte mehr gedruckt worden sein, als das des Blue Marbles. Kein Kinderzimmer kam ohne es aus.

Wenn Sedlmayr, wie ich finde nachvollziehbar, die Autonomie der Kunst in Korrespondenz zur Autonomie des Menschens setzte, so fiel ihr beider Ende genau in die Zeit der Mondlandung. Als der Club of Rome 1972 seinen epochalen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlichte, markierten seine Lemmata ‚Grenze‘ und ‚Wachstum‘ eben jene expansiven Motive, von denen der Mensch und seine Kunst bis dahin bessen waren.

Die Kritik an einem ungebremsten Resourcenverbrauch, der durch den Club of Rome erstmals an die Öffentlichkeit drang und zu dieser Zeit in der Kunst als ästhetische Entgrenzung sowohl ihren Höhepunkt, wie auch ihr Ende fand, nach der weitere Autonomie (als Treibstoff der Avantgarde) schlicht nicht mehr möglich erschien, erlangte im Bild der blauen Scheibe auf schwarzem Grund ihre allerdeutlichste Entsprechung und ihre Botschaft lautete: dieser schöne Planet ist schlichtweg endlich und außerhalb seiner lebensspendenen Atmosphäre herrscht nur trostlose Kälte und endloses Nichts.

Die Raumfahrt und die Mondlandungen zeigten, obwohl für sich genommen Beispiele für die Grenzenlosigkeit menschlichen Strebens und Könnens, ungeplant dem Menschen Grenzen auf, als fortan einem Geschöpf, das in den Weiten des Weltalls ein winziges Staubkorn bewohnt.

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