Sonntagströdelei

Elbstrand bei Övelgönne

Elbstrand bei Övelgönne

Mit den weiter steigenden Temperaturen hätte eigentlich der Besuch eines Freibads, vorzugsweise mit natürlichem Wasser, wie am Mittwoch Kiwittsmoor, angestanden, nur fand ich mich am Vormittag in so malader Stimmung, dass ich das Unternehmen abblasen musste. Der Husten drückte mir erneut auf die Brust.

Nach einigem Hin und Her gedachte ich, mich an die Elbe zu setzen und dort den letzten Rest meiner Lesekreis-Lektüre zu beenden. Mit dem Rad fuhr ich daher das kurze Stück an den Hang, bevor ich an der Himmelsleiter nach Övelgönne abstieg, wo ich unvermeidlich unter die vielen Leute auf dem schmalen Hauptstieg geriet, später dann eine schattige Bank mit Blick auf die sommerliche Elbe fand.

Orlando

Orlando, von Virginia Woolf. Ein Buch, das von der erzählten Geschichte mich nicht recht zufriedenstellen mochte, nach einiger Lektüre der Sekundärliteratur mir doch seine Stärken als feministischer Klassiker, der zum ersten Mal Gender ausbuchstabierte, offenbarte. Mitunter hatte ich das Gefühl, als hätte bei manchen Passagen Virginia Woolf der Schalk im Nacken gesessen, so, als sie etwa beschrieb, wie ihrer Orlando ein Finger der linken Hand zu kribbeln begann und die Heldin daraufhin heiraten musste. (Der Ehe-Mann begibt sich nach der Heirat gleich auf eine Seereise und danach hört man nicht mehr allzuviel von ihm. Wohl ein Seitenhieb auf die Konventionen des 19. Jahrhunderts.)

Sehr scharf und treffend auch ihre immer wieder eingeflochtenen Reflektionen zur Stellung der Frau in der Gesellschaft. Insbesondere zu dem, was ihr zustand und was eher nicht.

Und solange eine Frau an einen Mann denkt, hat keiner etwas dagegen, dass sie denkt.

Abends dann in Eimsbüttel gemeinsame Besprechung im Lesekreis.

  

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