Dérive Grindelallee

Mineralogisches Museum, Grindelallee, Hamburg

Mineralogisches Museum, Grindelallee

Nach dem gestrigen Dérive einen weiteren anzuschließen, war eigentlich nicht geplant, ergab sich aber durch einige glückliche Zufälle, die genau einer Definition des Müßiggangs entsprachen, wie ich sie, Siegfried Lenz zugeschrieben, so vorfand: auf absichtslose Weise aktiv zu sein.

Zuerst besuchte ich den Ise-Markt, worauf zwecks Buchrückgabe ein Besuch der Unibibliothek folgte. Unterwegs kam ich an der Grindelallee an dem obigen Gebäude vorbei, das sich Mineralogisches Museum nennt. Seine ganze Anlage spricht von einem sehr feinsinningen Entwurf, dessen Ausführung über die Jahre erhebliche Abtragung erfahren hat und eher betrüblich wirkte. Etwas Farbe täte vielleicht gut.

Zwischenräume

Kaum ein Haus weiter bemerkte ich eine Radfahrerin, wie sie gezielt in eine Einfahrt einbog, was mich anleitete, in der Erwartung einen neuen Weg zu finden, ihr nachzueilen. Ich kam auf einen Pfad, der hinter den großen Fachbereichen des Von-Melle-Parks (Sozialökonomie und Wirtschaftswissenschaften) und der Grindelallee verlief. Hier machte ich einen erstaunlichen Fund: ein unscheinbares Schild annoncierte die Gipsabdrucksammlung der Uni Hamburg!

In der Gipsabdrucksammlung der Uni Hamburg

In der Gipsabdrucksammlung der Uni Hamburg

In einem Souterain, früher einmal einer Bäckerei zugehörig, erblickte ich römische und griechische Skulpturen, die, wie mir die Aufsicht dort erklärte, den Archäologen und Kunstgeschichtlern als Anschauungsobjekte dienten. Verblüffend für mich die Diskrepanz zwischen der recht lapidaren, wenig musealen Aufstellung (oder eher Abstellung?) und der offensichtlichen künstlerischen Qualität der Skulpturen, die auch durch den Gips nur wenig Minderung erfuhr. Vielleicht eher ein Labor? Im hinteren Teil der Räumlichkeiten entdeckte ich auch an kleineren Objekten Farbversuche. Die griechische Plastik war ja, anders als es unsere Vorstellung nahelegt, ehedem sehr bunt bemalt. Ich sollte demnächst alles genauer anschauen. Ein wenig mehr Information findet sich auf der Hamburger Kulturkarte.

Im Anschluß dann kam ich in die Bibliothek, wo ich in der Caféteria bei einem kurzen Tee bemerkte, dass ich mir auch unbedingt die neue Ausstellung zur Diasammlung des kunstgeschichtlichen Instituts anschauen sollte. Das ist konkrete Medienarchäologie.

Und am Schlachthof

Eigentlich wäre mein Streifzug damit beendet gewesen, wäre mir auf der Hinfahrt nicht am Bahnhof Sternschanze eine größere Abbrucharbeit an einem Bürogebäude aufgefallen.

Abbruch an der Lagerstr. 17 am Fleischgroßmarkt Hamburg

Abbruch an der Lagerstr. 17 am Fleischgroßmarkt

Heute herrschte sowieso das allerangenehmste Grau, weswegen ich meine Tour nochmals unterbrach und etliche Fotos dieses Abbruchs aufnahm, der ja durchaus schon bei meinem nächsten Besuch hätte abgeschlossen sein können. Ich finde, dass mein Bild diesen Schwebezustand, als könnte das Gebäude sich gerade noch halten, bevor es im nächsten Moment in sich zusammenfällt, sehr gut wiedergibt.

Des Graus wegen fuhr ich dann schließlich noch an den Hafen in Altona, doch das kommt auf einer anderen Seite…

Karte Dérive Grindel

  

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