102 Stunden Berlin

Himmel über Berlin, 20.3. 2019

Himmel über Berlin, 20.3. 2019

Mit dem heutigen, astronomischen Frühlingsbeginn startete ich in mein Berlinsoll für diesen Monat.

Gegenüber den letzten Aufenthalten wohnte ich diesmal nicht bei meiner Schwester, die auf einer Dienstreise im Ausland weilte. Meinen Schwager wollte ich dabei nicht mit meiner Anwesenheit behelligen und buchte eine Unterkunft bei dem wohlbekannten Anbieter, dessen Name mit A anfängt. Dazu möchte ich bemerken:

Wohnen mit A

Wie bei anderen Unterkünften auch, weiß man nie, was einen erwarten wird. Ich kann sagen, dass ich nicht gänzlich enttäuscht wurde. Die Wohnung lag sehr zentral, war erstaunlich ruhig und wies keine schwerwiegenden Mängel auf.

Modernes Wohnen (Symbolbild)

Modernes Wohnen (Symbolbild)

Die Einrichtung dagegen ließ jegliche Originalität vermissen und blieb von dem Einheitsdesign des bekannten schwedischen Möbelhauses geprägt. Überhaupt zeigte die Wohnung keinerlei persönlichen Zug. Dass der Vermieter selbst dort wohnen mochte, schien mir kaum plausibel. Ich bekam ihn auch nicht zu Gesicht. Die Schlüsselübergabe erfolgte über ein Zahlenschloß.

Ich hätte ebensogut im Hotel wohnen können. Womit sich die Problematik des ganzen Systems zeigte. Wirbt die Seite des Anbieters noch großspurig mit „einzigartige[n] Unterkünfte[n] und Entdeckungen“ sieht die Realität ganz anders aus. Selbst, wer mit seiner Wohnung nicht das große Geld verdienen möchte, wird im Zuge des Konkurrenzkampfs (die Angebote in Berlin dürften in die 1000nde gehen) nicht umhin kommen, seinen Umgang mit Gästen und Vermietung soweit zu rationalisieren, das ein persönlicher Stil zunehmend unrentabel wird. Herauskommt dann so ein durchoptimierter Kasten, von der Art, in dem ich nächtigte. Stellenweise fühlte ich mich an Tokyo erinnert, wo das Wohnen auch jeglicher Romantik entbehrt.

Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, dass man durch Inanspruchnahme eines solchen Vermittlers der Hotelbranche ungehörig Konkurrenz macht, dann bekommt die Sache einen schalen Beigeschmack. Nicht, dass ich den Hotels besondere Schonung gönnte, aber es ist einfach sinnlos, ein System durch das andere zu ersetzen, wenn zwischen ihnen keinerlei Unterschied besteht. Zu Anfang mag der Anbieter A vielleicht noch originelle private Unterkünfte vermittelt haben und macht es vielleicht hier und da auch noch, in den Großstädten scheint mir sein Angebot derartig optimiert, dass im mittleren Preisegment keinerlei Platz für Schmuck und Zierde bleibt. Ich fühle mich nicht gut dabei.

Lichte Stimmung an der Havel

Lichte Stimmung an der Havel

Die weiteren Tage in Berlin und Potsdam waren Besorgungen, dem Umgang mit meiner Mutter und auch Bekannten und Freunden gewidmet.

  

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