Was bleibt von der Kunst? – Das Seminar im April

Skalen

Skalen

Jetzt online, meine Sendung Das Seminar auf Radio X vom 14.4. 2017.

Diesmal aus Berlin am Karfreitag. Erinnerungen an Namé und die Anfänge von Hiphop in Frankfurt.

Sowie Gedanken zu einer Bemerkung von Robert Musil: „Was bleibt von der Kunst? – Wir als geänderte bleiben.“ Also, – wie hat meine Entscheidung, Künstler zu werden, mich geändert? Was bleibt mir von der Kunst, nachdem ich sie hinter mich gelassen habe?

 

Nächste Sendung: 12.5. 2017

  

6 Gedanken zu „Was bleibt von der Kunst? – Das Seminar im April

  1. Stefan B. Adorno Beitragsautor

    Sabine schrieb auf Facebook:

    „Antwortnot“… aber so funktioniert Kunst nicht. Unsere Gesellschaft ist auf jeden angewiesen, der seinen kreativen (ich benutze das Wort jetzt mal, obwohl Du ihm kritisch gegenüberstehst) Output nicht von äußeren Reaktionen abhängig macht; dabei muss ich bleiben.

    Denn der Umkehrschluss wäre, dass das in der Welt bliebe, was „gefällt“ und alles andere hintenüberfiele. Damit machte man Kunst steuerbar, steuerbarer als sie es jetzt schon ist.
    Und jetzt höre ich erstmal.
    LG!

    Antworten
    1. Stefan B. Adorno Beitragsautor

      Liebe Sabine,

      das Argument leuchtet mir ein. Nur bleibt für mich dabei ungeklärt, warum es dazu einer Berufsgruppe bedarf, die sich zu 99% weit unterhalb des allgemeinen Durchschnittseinkommens entlohnen lässt. Wenn die Gesellschaft nach Deiner Meinung auf diesen kreativen Output angewiesen ist, warum bezahlt sie diejenigen, die ihn liefern, nicht besser?

      Des weiteren frage ich mich, ob wirklich feststeht, dass die Künstler und sonstigen Kreativen von äußeren Reaktionen unabhängig sind? Woran will man das messen?

      Grüße
      Stefan

      Antworten
      1. Sabine

        Lieber Stefan,
        das mit der Unabhängigkeit von äußeren Reaktionen war eher so gemeint, wie es am späten Montagabend die Sängerin Y’akoto in der ‚Westart live‘ ausgedrückt hat: dass sie eben keine BESTIMMTEN Reaktionen von ihrem Publikum erwartet und bei dem Überangebot (in dem Fall von Konzerten in Großstädten) froh ist, dass sich überhaupt Menschen für sie und ihre Band entscheiden. Vielleicht ist das zu bescheiden gedacht oder zu zurückgenommen formuliert, aber ich kann es total nachvollziehen.
        Und zum Thema ‚Berufsgruppe‘: es ist eben keine 😉 oder sollte vielleicht keine sein. Ich suche die ganze Zeit nach einem Beispiel außerhalb von Kunst, bei dem es die Gesellschaft auch nicht merkt, dass sie darauf angewiesen ist… aber vielleicht ist „Kunst“ auch das beste, vielleicht einzige Beispiel…? Das zu beweisen fällt mir arg schwer; es ist eher ein Argumenteaustausch, der einem das Gefühl eher bestätigt oder eher nicht… naja… und ich glaube, alles, was nicht hieb- und stichfest in die Richtung zu beweisen ist, dass es einen direkten Nutzwert für eine Gesellschaft hat, hat einen schweren Stand…

        Antworten
  2. Stefan B. Adorno Beitragsautor

    Sabine schrieb weiterhin auf Facebook:

    Schöne Sendung, schöne Zitate!

    Mich musst Du ja, wie Du weißt, nicht erst auffordern, darüber nachzudenken; ich tu’s ja ständig. 🙂
    Bitte erlaube – wenn das jetzt die letzte Sendung gewesen sein sollte, die ich ohne eigenen besonderen Aufwand anhören konnte – noch einmal inhaltlich zu werden:

    Die Vorsilbe „ver“ „ver“negativiert Begriffe ja ganz oft, so dass ich den Unterschied nicht so sehr im Gegensatz aktiv/passiv sehe, sondern eher mehr oder weniger neutral. „Geändert“ gefällt mir damit ausgezeichnet!

    Damit bin ich wieder dort, wohin mich Deine Worte schon öfter gebracht haben: warum möchtest Du ein Etikett dafür, was Du denkst und tust? Wenn Dich die Kunst in eine bestimmte Richtung geändert hat, dann ist das doch kein bisschen negativ, sondern nur so, wie es eben ist! Wie so oft habe ich auch bei dieser Sendung den Eindruck gehabt, dass Du Deinen persönlichen Weg, der genau so seine Berechtigung hat wie jeder andere persönliche Weg, nicht genug wertschätzt, weil Du ihn vom Ende her denkst (nicht im Sinne von „Tod“, sondern von „Ziel“, von einem von außen definierten „Erfolg“). Ich muss dabei bleiben, das schade zu finden.

    Die Entwicklung eines Menschenleben ist doch das Ziel, oder?, und Du reflektierst und dokumentierst Entwicklung.

    Was Du für mich eindringlicher als kaum jemand zeigst: wie wichtig Austausch für uns Menschen ist und wie sehr man leiden kann, wenn er fehlt. Was schwierig ist und bleiben wird: wenn man ihn sich auf eine ganz bestimmte Art wünscht, definiert nach eigenem Qualitäts- und anderem Anspruch. Dein eigenes inneres „Nein“ zu spüren und darüber zu reden find‘ ich groß.

    Und wie jedes Mal bleibt in mir die Frage: was ist die Essenz dessen, was Dich damals zu Kunst gebracht hat, Deine ureigene essenzielle Idee? Und die Folgefrage: kann diese Essenz nicht auch ohne das Etikett „Kunst“ in Deinem Leben bleiben?

    Antworten
    1. Stefan B. Adorno Beitragsautor

      Liebe Sabine,

      ich danke Dir für Deine genaue Beobachtung, die sich in der folgenden Bemerkung findet:

      Wie so oft habe ich auch bei dieser Sendung den Eindruck gehabt, dass Du Deinen persönlichen Weg, der genau so seine Berechtigung hat wie jeder andere persönliche Weg, nicht genug wertschätzt, weil Du ihn vom Ende her denkst (nicht im Sinne von „Tod“, sondern von „Ziel“, von einem von außen definierten „Erfolg“). Ich muss dabei bleiben, das schade zu finden.

      Zusammen gedacht mit der Frage nach meiner „ureigenen Idee“ versuche ich darauf zu antworten:

      Natürlich liegt mein Entschluß, Künstler zu werden, lange zurück, so daß ich mich nicht mehr so recht in meine damalige Situation versetzen kann. Unter den vielfältigen Motiven sticht für mich wohl das Bestreben nach Offenheit heraus. Ich stellte mir Künstler als etwas vor, dass keinerlei Beschreibung oder Definition und daher Beschränkung unterlag. Als Künstler ist man, – so würde ich heute sagen -, Spezialist für Alles.

      Ich wollte mich nicht beschreiben lassen, doch seltsamerweise sprach mein Vater damals einmal genau in diesem Sinne zu mir, als er eben die Unbeschreibbarkeit des Künstlers unterstrich: „Wenn Du Ingenieur oder Arzt oder Anwalt bist, dann ist genau definiert, was zu bist und was Du tust. Als Künstler bist Du alles und nichts.“ (Er meinte das nicht negativ.)

      Insofern kommt es mir aufgrund Deiner Bemerkung schon ein wenig widersprüchlich vor, wenn ich lange schon auf genaue Definitionen in der Kunst dränge. Doch auch Rilke, der sich vor „der Menschen Wort“ fürchtete, das alles „so genau“ ausspräche, forderte Bestimmtheit von dem „Kunstding“. An anderer Stelle glaubte er, dass die Kunst nur dem Herzen offenbar werden könne…

      Wenigstens ist das ein Spannungsverhältnis, dem ich vielleicht in meiner nächsten Sendung nachgehen könnte.

      Antworten
  3. Sabine

    Lieber Stefan,
    vielen Dank!
    In Deinen Worten liegt für mich diesmal mehr von der Freiheit (gleich Offenheit…?), die ich der Kunst ja auch immer zugedenke, ohne es klischeehaft zu meinen oder einem „Mythos“ zu unterliegen; wir sprachen darüber.
    Ich wäre so gespannt auf die nächste Sendung und bedaure sehr, dass Du das Prozedere änderst!

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.