#filmisnotdead – Annäherung an die analoge Fotografie

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Esstisch im Falsterhus, 28.10. 2016

Die digitale Fotowelt wird jedes Jahr besser und schöner und gleichzeitig vorhersehbarer und langweiliger. Ein gelegentlicher Ausflug in analoge Gefilde kann dem entgegenwirken.

Mehr Auflösung, mehr Geschwindigkeit, so geht es Jahr um Jahr fort. Wer genügend Geld mitbringt, kann jetzt schon seine Aufnahmen mit 100 Megapixel belichten. Was früher Profis vorbehalten blieb, kommt zudem via Smartphones und Apps (Stichwort Computational Photography) ins Wohnzimmer zu jedermann. Mehr denn je gilt der Wahlspruch von Eastman Kodak: You press the button and we do the rest.

Ob und in welcher Weise traditionelle Fotografie dadurch entwertet wird, bleibt schwer zu entscheiden, aber es kann, dachte ich, nicht verkehrt sein, sich wieder mal mit ihrer analogen Seite zu beschäftigen. So nahm ich kürzlich nach Falster meine alte Hasselblad mit ins Gepäck.

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Das ist ein außerordentlich wuchtiges Gerät, an dem alles analog und manuell ist. Belichtung, Entfernung und auch der Filmtransport mittels einer zierlichen Kurbel. Des Gewichts wegen ist auch ein Stativ nahezu unverzichtbar. Hier gibts kein Knipps und Klick und schon ist das Bild da. Die Kamera muss aufgestellt werden, dann gilt es den Bildauschnitt zu bestimmen und zuletzt ist durch einen externen Belichtungsmesser die korrekte Lichtmenge für den Negativfilm abzuwägen. Dann drückt man auf den Auslöser, hört das Schnappen des Spiegels, spult den Film mit einem satten Schnurren weiter und hofft, dass das Bild etwas geworden ist.

Entwickelt wird erst Tage später. Das Labor in Altona, dem ich den fertigen Film übergab, sammelt die Filme seiner Kunden über eine Woche, bis genug beisammen sind, dass sich die Chemie lohnt. Ich könnte mir Abzüge bestellen, habe mich jedoch dafür entschieden, die Negative bei mir zuhaus einzuscannen. Das ist wiederum eine Wissenschaft für sich, über die man lange Artikel im Netz lesen und für die geeigneten Geräte fast mehr Geld als für die Kamera ausgeben kann. Man bleibt jedoch näher am Bild.

Mein alter Canon-Scanner hat sich wacker geschlagen, wie ich finde. Man kann bestimmt noch mehr aus den Bildern heraus holen, – mir ging es vorerst mal darum, den Prozess von der Aufnahme bis zum digitalen Bild, das ich ins Netz lade, nachzuvollziehen.

Im Vergleich zur digitalen Fotografie ist das wirklich aufwändig und nicht alltagstauglich. Das ist wie ein altes Spiel, dem man sich gelegentlich mal widmet.

Punctum und Studium, – das sind zentrale Begriffe in der Fototheorie von Roland Barthes. Vielleicht ist ja die digitale Fotografie das Punctum und die analoge das Studium? Jedenfalls nötigt sie mir Zeit ab, die ausgehalten werden will, bevor Ergebnisse entstehen. So sehr ich die Digitaltechnik schätze, ich fühle mich davon verlockt, weiter dieses verborgene Reich der analogen Fotografie zu erkunden. Vielleicht sogar noch einen Schritt weiter im Großformat.

Auf Instagram finden sich Zeugnisse dieses anderen Reiches unter dem Hashtag #filmisnotdead. Durchaus paradox, denn auch das altertümlichste Verfahren muß schließlich digitalisiert werden, um dort zu erscheinen. Ich finde es amüsant, dass einige Menschen mit riesigen Formaten, wie 8x10inch, hantieren, die sie dann einem Medium überantworten, das auf dem Smartphone gerade mal eine Betrachtungsfläche von wenigen Zentimetern im Quadrat bietet.

6x6cm wäre vielleicht gerade optimal und deshalb finden sich hier noch ein paar meiner Bilder, die ich am 28.10. 2016 rund um das Falsterhus aufnahm:

Falsterhus, 28.10. 2016

Falsterhus, 28.10. 2016

Falsterhus, 28.10. 2016

Falsterhus, 28.10. 2016

Am Falsterhus, 28.10. 2016

Am Falsterhus, 28.10. 2016

Am Falsterhus, 28.10. 2016

Am Falsterhus, 28.10. 2016

Am Falsterhus, 28.10. 2016

Am Falsterhus, 28.10. 2016

Falsterhus, 28.10. 2016

Falsterhus, 28.10. 2016


  

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