Elbphilharmonie – ein Desaster!

Elbphilharmonie - einzige Lösung: sprengen!

Die einzige Lösung: Sprengen!!

Die Tage wurde in Hamburg ein Gebäude – schön geredet – ‚fertig gestellt‘, das nach meiner Auffassung wie kein zweites für ein Versagen staatlicher Kulturpolitik steht. Ich meine die Elbphilharmonie.

Gewöhnlich halte ich mich von Themen dieser Größenordnung in der Kulturpolitik fern, weil ich es ergiebiger finde, die Verantwortung der Akteure auf der anderen Seite des Spektrums zu untersuchen. Besonders die Künstler. Im Falle der Elbphilharmie möchte ich dennoch meine grundsätzliche Dissenz und Empörung artikulieren.

Selbst, wenn es bei den ursprünglich angedachten 77 Mio. Euro Kosten für die Stadt Hamburg geblieben wäre, hätte ich den Kopf geschüttelt. Es wäre Geld für ein Gebäude ausgegeben worden, das einer fraglichen und längst überkommenen Kunstauffassung dient. Und die weder in Hamburg noch sonst in Deutschland Mangel leidet. Es gibt genug Konzertsäle!

Kostensteigerung um 1000%

Stattdessen haben sich die Kosten für den Steuerzahler um glatt das 10 Fache erhöht. Man lese dazu auf Wikipedia:

Die Projektentwicklung war gekennzeichnet von massiven Kostensteigerungen und erheblichen zeitlichen Verzögerungen. Vor der Auftragsvergabe wurde im Rahmen der Grundlagenermittlung ein Investitionsvolumen von 77 Millionen EUR für die Freie und Hansestadt errechnet. Bei Vertragsabschluss im Jahr 2007 hatte sich dieser Betrag auf 114 Millionen EUR erhöht. Nach mehrmaligen Nachverhandlungen einigten sich der Hamburger Senat und das Unternehmen Hochtief, das durch den neuen Vertrag in die Rolle des Generalunternehmers gesetzt wurde, im Dezember 2012 auf eine Netto-Endbausumme von 575 Millionen EUR – einschließlich der Planungskosten. Am 23. April 2013 verkündete Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, dass das Projekt die Hamburger Steuerzahler insgesamt 789 Millionen EUR kosten werde. (Quelle)

Also, am Ende 789 Millionen Euro und vielleicht noch mehr für ein Kulturprojekt, dessen Idee und Nutzen für mich sich in keiner Weise erschließt. Hier wurde und wird eine Kunstform finanziert, deren Bedeutung mir im 21. Jahrhundert marginal erscheint. Ich könnte es noch gerade so verstehen, wenn es um die Förderung zeitgenössischer ernster Musik ginge. Aber auch die wird im Programm der Elbphilharmonie nur eine untergeordnete Rolle spielen. Selbst Stockhausen, den man schon als einen Klassiker bezeichnen könnte, würde kaum einen Saal von 2000 Sitzplätzen füllen.

Tatsächlich gab es wegen der Kostensteigerungen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß, der aber, so ich Wikipedia glauben mag, nur sehr vage Verantwortlichkeiten benennt. Belangt wurde keine der namentlich genannten Personen:

Der Bericht benannte erstmals auch sechs Personen und zwei Unternehmen, die in besonderem Maße die Kostensteigerungen verursachten bzw. als verantwortlich dafür gelten (Hartmut Wegener (bis Herbst 2008), Heribert Leutner (sein Nachfolger), Ole von Beust, Karin von Welck, Volkmar Schön, Herzog & de Meuron (Architekten), Ute Jasper (Rechtsanwältin), das Baukonsortium um Hochtief). (Quelle Wikipedia, abgerufen am 8.11. 2016)

Kulturpolitik auf den Kopf gestellt

Die allgemeine Idee der Kulturfinanzierung der öffentlichen Hand sollte auf dem Grundsatz beruhen, das zu unterstützen, was es schwer hat. Im Falle der Elbphilharmonie wird dieses Prinzip mit Füßen getreten! Es entspricht der Kulturpolitik der Leuchttürme, die denen gibt, die schon vormals ordentlich ausgestattet wurden. Allen voran die staatlichen Bühnen.

Die große Masse derjenigen, die die tägliche Kulturarbeit leisten und bei den Menschen vor Ort sind, also die Künstler, werden von der Stadt Hamburg in einem Zustand des Dauerprekariats gehalten. Wer jahrelang einen Ausstellungsraum mit mehreren Ausstellungen pro Jahr betreibt erhält maximal 17.000 Euro! Kein Scherz! Daran ändern auch ambitioniert scheinende Instrumente, wie der Elbkulturfonds nichts.

Die Verantwortung der Künstler

Leider, – und hier komme ich zur eigentlichen Bestrebung meines Blogs – habe ich in den vergangenen drei Jahren hier in Hamburg von Seite der KollegInnen keinerlei Kritik an der Elbphilharmonie vernommen, weder öffentlich noch privat. Es gibt auch sonst keine Foren oder Plattformen, die Kulturpolitik in Hamburg kritisch reflektierten. Das 2009 eingefrorene Thing Hamburg war das letzte seiner Art. Somit ist kaum verwunderlich, dass quer durch alle Parteien weiter munter Geld verschwendet wurde.

Während Künstler gerne allgemein dagegen sind, insbesondere natürlich gegen den Kapitalismus, bleiben sie bei staatlich korrumpierter Kulturpolitik auffällig still. Meine Haltung dazu ist stille Resignation.

  

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