Umdrehung Vier – In Hamburg

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Vier Jahre Baustelle Hamburg (Symbolbild)

Das ist nun mein vierter Herbst in Hamburg und auf den Tag genau ein Jahr her, dass mich meine Schwester über den betrüblichen Zustand unserer Mutter informierte. Ich befand mich gerade auf einer Radtour an der Elbe.

Im vergangenen Jahr wurde ich aus so ziemlich allen Zusammenhängen gerissen, was seinen nur vorläufigen Abschluß in der kürzlich erfolgten Auflösung des Hausstands meiner Mutter fand, mit der auch ein Teil meiner Welt unterging, unvermeidlich. Dabei ist der Verlust vorerst materiell. Der seelische Verlust beginnt sich gerade erst abzuzeichnen.

Weltverlust – Kunstverlust

Es kommt mir wie eine seltsame Koinzidenz vor, dass ich eben im letzten Oktober in einem der DU-Hefte, die meine Schwester meiner Mutter zugesteckt hatte, den Aufsatz von Claus Borgeest „Das Kunsturteil“ fand, der meine schon lange bestehende Skepsis gegenüber der Kunst noch drastisch weiter verstärkte.

Wie meiner Mutter in diesem Zeitraum zunehmend die Welt abhanden kam, schwand auch mein Glaube an die Kunst und die Vorstellung, es lohne noch eine sinnvolle Beschäftigung mit ihr.

Im Endzustand erscheint mir nun die krankheitsbedingte Ungeduld, die meine Mutter an den Tag legt, ironisch wie ein Spiegel meiner eigenen Verfassung.

„Und was machen wir jetzt?“, fragt meine Mutter immerfort. Ja, was mache ich jetzt? Das kann ich mich auch fragen. Was machen mit meiner Zeit? Was machen mit meinem Leben?

  

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