Radtour zur Pflanzenmusik nach Neuenfelde

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Kunstprojekt Refugium Neuenfelde

Grau, kühl, verregnet, – also typisch Hamburger Sommerwetter, das nicht gerade zu einer Radtour nach Neuenfelde, in der südwestlichsten Ecke von Hamburg gelegen, einlud.

Im Rahmen des Blurred Edges Festivals sollte dort eine Vorführung von Harald Finkes Pflanzenmusik stattfinden.

Mit zwei Getreuen vom Bahnhof Altona Richtung Teufelsbrück. Dort mit der Fähre die Elbe überquert und auf Nebenwegen Neuenfelde erreicht, das mehr oder weniger aus einer Reihe Häuser besteht, die sich hinter den Deich ducken. Keinen Kilometer vom Airbus Flugfeld entfernt. Zu meiner Überraschung waren etliche leerstehende Gebäude ohne Schwierigkeiten zu erkennen. Ja, gibts denn das in Hamburg?

Wie wir später erfuhren, entstammt der Leerstand zu Teilen der Airbuswerke-Erweiterung, die das Dörfchen mit penetrantem Fluglärm zu überziehen drohte. Es kam nie so schlimm, doch viele Menschen zogen im Vorfeld weg. (Nicht ganz freiwillig, wie im Kommentar weiter unten angemerkt wurde.)

Jetzt hat sich in einem der leerstehenden Häuser, das der SAGA gehört, ein temporäres Kunstprojekt, das Refugium Neuenfelde, angesiedelt, das vor Ort untersucht, wie mit dem Leerstand produktiv umgegangen werden könnte. Löbliche Angelegenheit.

Pflanzenmusik

In seinem verwilderten Garten sollten die Pflanzen von Harald Finke Musik machen.

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Harald Finke erklärt das Setup für seine Pflanzenmusik

Der Ort war empathisch gut gewählt, mit Pflanzen unter Pflanzen, doch fand ich letztlich im Ergebnis die Pflanzenmusik dürftig.

Die Messanordnung arbeitet mit einem hochohmigen Differenzverstärker im Pico-Amperebereich, der die Spannungsschwankungen am Pflanzenblatt misst. Diese Messwerte generieren über den AD-Wandler und ein spezielles Musikprogramm im Rechner die „PflanzenMusik“. Die Messwerte stellen physiologisch bedingte Impulse der Pflanze dar und können mit den Ergebnissen einer Hautwiderstandsmessung verglichen werden. (Quelle: Video auf Youtube)

Die erzeugten Töne mögen Geschmackssache sein. Mich erinnerten sie aufgrund ihrer auffälligen Pentatonik an indonesisches Gamelan. Schwerer wog für mich jedoch der Umstand, dass ganz verschiedene Pflanzen keine markant andere Musik erzeugten. Die Besucher probierten die nebenstehende Weide, Brennesseln und Disteln aus. Lediglich die von Harald Finke mitgebrachten Topfpflanzen klangen subtil anders, was Finke auf die fehlende Verbindung zum Erdreich zurückführte.

Vielleicht liegt es einfach an der Natur der Pflanzen-Elektrik? Das menschliche EKG sieht bei gesunden Menschen auch relativ ähnlich aus, mögen sie ansonsten noch so unterschiedlich sein. Damit wäre die Pflanzenmusik ein interessanter Gegenstand künstlerischer Forschung, aber keine jahrelange Beschäftigung wert.

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Der verwilderte Garten des Refugiums

Pflanzlicherseits erfreute ich mich noch an einem leckeren Sanddorn-Getränk, sowie ausgebackenen Holunderblüten.

Auf der Rückfahrt dann Schnitzelfindung am Dampfer-Imbiss von Finkenwerder. (Geht grade so). Mit der Fähre zurück nach Neumühlen. Eine schöne Tour trotz des dürftigen Wetters.

  

4 Gedanken zu „Radtour zur Pflanzenmusik nach Neuenfelde

  1. wafSchaz

    Geht grad so, das Schnitzel? Das Preis LeistungsVerhältniss war doch Prima, davor beim Gutbürgerlichen hätte es 15 Euro mehr gekostet. Was sich hoffentlich auch auf die Qualität ausgewirkt hätte.
    Aber die ImbissStimmung, durch Fußballwahn gepaart mir leider oft einhergehender Agressivität, rechtfertig ein „Geht grad so“.
    Und zu Harald Finke, was mich noch beschäftigte war, dass er sich durchgehend in eine Erklärungssituation befand. Nie eine konzertante oder meditative Stimmung aufkam, wo man ohne Ablenkung unbefangen sich der Pflanzenmusik und Performance hingeben konnte.
    Da kann dann auch ein Zauber aufkommen über Wissenschaftlichkeit hinaus. Ein Zauber der die Örtlichkeit schon in sich trug.
    Der Künstler wirkte stattdessen auf mich etwas Verunsichert und in Erklärungsnot.
    Schon allein diese Frage mit, ist das jetzt im MilliVolt oder MiniVoltbereich? Mein Gott diese Techniker, Finke musste auch nachschauen und mir ist das doch sowas von Egal. Hauptsache ist doch, was Raus kommt aus dem was Reinkam. Aber leider fand ich das zum Teil etwas süßlich verfremdet, was Finke daraus machte an Pflanzenmusik.
    Abschliessend fand ich es einen sehr schönen Ausflug, und ich verfolge die Aktivitäten des „Refugiums Neuenfelde“ weiterhin mit großem Interesse.

    Die Leute zogen damals nicht einfach weg aus Neuenfelde, schon gar nicht freiwillig. Mit Geld wurde nachgeholfen, systematische Enteignungen fanden statt. Und wer nicht verkaufen wollte wurde von der Stadt Hamburg und vieler Medien zu einem asozialen Element erklärt.

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  2. Stefan B. Adorno Beitragsautor

    Hallo,

    Danke Dir für Deine Anmerkung. Besonders auch zu Neuenfelde.

    Was Harald Finke anging, fällt mir das auch jetzt auf, dass er ständig erklären musste. Aber war es nicht auch so als Laborsituation gedacht? Ich fand es gut und aufschlussreich, dass die Besucher da herumprobieren durften.

    Vielleicht hätte er aber mal zwischendurch eine Pause einlegen sollen, und ganz die Musik klingen lassen?

    Lg
    Stefan

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    1. wafSchaz

      Ja so ein Moment der Stille und Konzentration fehlte, hatte mich selber auch unangenehm ertappt, wie ich während der Performance, dem Reden und der Unterhaltung mich allzugern hingab.
      Der Experimentiercharakter mit Laborstituation fand ich auch gut. Oha die Große Weide antwortet doch, trotz massiver Erdung und die Distel ach so klangvoll…
      Was war eigentlich mit der Ananas? Hätte ich gern noch gehört.

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