Der Wendetag

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Notizbuch vom 12.6. 2012

Heute vor 4 Jahren war der Wendetag, der den Verlauf meines Lebens entscheidend prägte.

Von einer Woche Falster mit Freunden zurückkehrend, fand ich in meinem Atelier einen Brief des Frankfurter Kulturamts vor, der mir die Förderung meines Projektes Thing Frankfurt in Höhe von 2.000 Euro beschied. Das bedeute im Vergleich zu den vorherigen Jahren eine Kürzung um ein ganzes Drittel!

Mit einem Mal brach meine ohnehin schon angeschlagene Stimmung komplett ein. Noch auf der Rückreise hatte ich gegenüber Uli die Notwendigkeit von Veränderung in meinem Leben betont. „Die Zeit läuft mir davon.“, sagte ich damals.

Mir wurde deutlich, dass ich nicht mehr Jahr für Jahr zum Amt laufen wollte, um für ein aufwändiges Netzkunstprojekt eine vollkommen unzureichende Unterstützung abzuholen. Und Abhilfe war nicht in Sicht. Dazu hätten sich die kulturpolitischen Rahmenbedingungen komplett ändern müssen, wozu wiederum kein Veränderungswille in der Kunstszene vorhanden war. Ich hatte es die Jahre zuvor vergeblich versucht.

So kam es im Sommer 2012 zu meinem ersten Aufenthalt im Künstlerhaus Frise und die Übersiedlung nach Hamburg im Jahr darauf unter schwierigen Bedingungen.

Wo stehe ich heute?

Hamburg, – das war mal mein Sehnsuchtspol. Der Ort, an dem ich mir vieles besser als in Frankfurt vorstellte und der die Hoffnung auf ein neues Leben barg.

Davon ist nicht viel übrig geblieben. Ja, ich muss mir sogar eingestehen, dass alle Anknüpfungspunkte, die ich damals mit Hamburg verband und die teils in meine Studienzeit zurück reichten, sich nach und nach als Enttäuschungen erwiesen haben. Ich hätte genauso gut in eine andere Stadt ziehen können.

Auch wenn ich zwischenzeitlich durchaus positive Erfahrungen machen konnte, die auf unvorhergesehenen Begegnungen basierten, bleibt es ein bitteres Fazit, das den bisherigen Zwischenstand ins Negative drückt.

Ich kann mir halt nur sagen, es war gut, dass ich die Veränderung überhaupt versucht habe. Wäre ich in Frankfurt geblieben, hätte ich zwar Hamburg als Ideal erhalten, aber nie die eigentliche Probe aufs Scheitern erfahren. Aus der Enttäuschung heraus erwächst mir die Chance, mich neu zu entwerfen.

  

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