Was Kunst vermag

Was Kunst vermag, erläutert Alain de Botton am Beispiel Prousts.

So sei der große Künstler in der Lage, Sachverhalte und Gefühle besser als der Normalmensch zum Ausdruck zu bringen, auf dass jener sich vermittels der Leistung des Künstlers selbst genauer kennenlernen könne.

Der Künstler wäre demnach eine Art Sprach-Techniker, der durch seine besondere Ausdrucksfähigkeit verborgene Bedeutungen der Allgemeinheit zugänglich machte.

Das klingt in dieser Beschreibung nach einem handfesten Nutzen der Kunst, der die ausdrückliche Wertschätzung und Unterstützung der Künstler durch die Gesellschaft nahelegte.

Wenn wir mal von der Frage absehen, wozu in diesem Fall Kunst nötig ist, – denn eine ähnliche Fähigkeit liesse sich auch Journalisten und Werbetextern zuschreiben – verblüfft doch die Feststellung, dass auch den größten „Könnern“ ihres Fachs zu Anfang wenigstens die öffentliche Anerkennung versagt blieb. Manche, wie Joyce oder auch Proust, erreichten zwar später Anerkennung, werden aber praktisch kaum gelesen.

Woran die Frage anschließt, warum denn die außerordentliche Leistung des Künstlers nicht unvermittelt festgestellt und honoriert wird?

Wozu braucht es Literaturkritiker, Literaturagenten, Literaturverlage, Literaturpreise, Buchmessen, in Summa einen Literaturbetrieb (oder analog einen Kunstbetrieb), wenn nicht durch ihre Existenz offengelegt würde, dass eben niemand so genau weiß, was eine große Leistung in der Kunst ausmacht?

Vielleicht, – so die vorläufige Erklärung -, gehört der Hinweis von de Botton in den Bereich der Künstler-Legenden. Nicht unbedingt wahr, aber nützlich. Nützlich zum Beispiel, um sich wieder einem Autor anzunähern, den man ehrfürchtig mied.

Wenngleich damit die Kunst nicht erklärt wird, wird immerhin der Weg zu ihr erleichtert.

  

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