Erziehungskomplex

Und hier noch ein erfrischendes Zitat von Claus Borgeest zu Sinn und Möglichkeit einer Kunstausbildung:

Und wenn es in der Berufsausbildung darauf ankommen muß, einem Menschen nach Maßgabe der neuesten Einsichten die Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln, die es zur Ausübung seines Berufes braucht, so kann das Ausbildungsziel der Kunstakademien nicht länger darin bestehen, den Studenten Hilfe zu geben, damit sie „sich selbst finden“ (was immer das auch sein mag, und welchen Juwel man da zu finden auch immer hoffen mag)…

… sondern Urteilskriterien zu vermitteln, die im Laufe der Kunstgeschichte zu Erfolg geführt haben und individuelle (im Sinne der Markentechnik profilbildenden) Lebensformen vorzuschlagen oder vorzuleben, welche das Entstehen einer Aura begünstigen, für die das Werk als Zeuge glaubwürdig gemacht werden kann. (in Das Kunsturteil S. 133)

Tatsächlich wirkte zu meiner Zeit, Mitte der 1980er Jahre, diese 1979 formulierte Forderung „sich selbst zu finden“ an den Kunsthochschulen noch nach.

Nachdem in den 1970er Jahren alle äußeren und verallgemeinerbaren Fertigkeiten (Maltechnik, Farbenlehre, Komposition etc) verschwunden waren, blieb noch als letzte Möglichkeit, den Innenraum des Studenten zu bearbeiten. Der Anspruch lautete: „Mach was Du willst, aber sei authentisch dabei.

Zwischenzeitlich dürfte sich aber die Einschätzung von Borgeest durchgesetzt haben, dass es nur noch darauf ankomme, die Studenten zum Erfolg im Kunstbetrieb anzuleiten. (Die Kunstakademien haben in den letzten 30 Jahren vor allem Künstler als Professoren berufen, die exzeptionellen Erfolg – nach Ranking – auf dem Kunstmarkt aufweisen konnten.)

So resümierte ein Bekannter von mir einmal:

Auf der Kunstakademie lernst Du wichtig zu sein.

  

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