Das unsichtbare Nein

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Etwas steht im Wege….

Neulich entdeckte ich auf Twitter eine bemerkenswerte Formulierung. Die Autorin schrieb, ein „unsichtbares Nein“ umgebe sie.

Ein unsichtbares Nein, – das ist die Beschreibung eines Gefühls, das mir in den letzten Jahren in Frankfurt immer wieder begegnet ist.

Als Resultat vieler größerer und kleinerer Neins, die mir entgegengebracht wurden. Nein, ich kann nicht Professor werden. Nicht an der HfG, nicht an der Städelschule, und nirgendwo sonst. Nein, ich kann nicht mehr Geld vom Kulturamt bekommen. Ich bekomme auch sonst keine Unterstützung. Die KollegInnen interessiert das nicht, was ich mache. Besucher meiner Veranstaltungen bleiben aus. Es kommen nur ein paar Freunde. Meine Webseiten ermangeln des Kommentars, obwohl sie auf Beteiligung ausgelegt sind.

Ich bin kein liebenswerter Mensch, – sagen die Frauen, die ich begehr(t)e. Ich bin zu angestrengt. Ich bin zu vergeistigt. Meine Einstellung zur Arbeit ist ein Affront (= Du verdienst kein Geld).

Ich könnte fortfahren, die Kränkungen aufzulisten, die ich erlitten habe. Ich finde (in mir) nicht den einen Grund, auf den sie zurückzuführen wären. Das ist ein unsichtbares Nein.

Das Leben mag mich nicht. So what?

Wenn ich Aufklärung leisten kann, so vielleicht in Hinsicht auf die Beziehung, die das Nein in meinem Leben einnimmt.

Ich habe oft Nein gesagt.

Als meine Eltern mir einen bürgerlichen Beruf nahelegen wollten, habe ich Nein gesagt. (Vielleicht die folgenschwerste Entscheidung meines Lebens.)

Ich war widerwillig an der Akademie. Ich habe gleich Nein zur Malerei gesagt. Später zur Ausstellung überhaupt.

Ich stand dem Kunstbetrieb ablehnend gegenüber. Galerien mochte ich nicht. Kuratoren sah ich als Gegner an.

Ich habe auch Peter Weibels Medienkunst nicht geschätzt. Kein Ars Electronica, kein ZKM. Auch sonst kein Transmedialemedienzirkusfestival…

Ich mach keine Objekte, die man verkaufen kann. Was ich Kunst nenne, versteht man nicht.

Zuletzt habe ich noch zu Frankfurt und manchen Freunden dort Nein gesagt.

Schließlich, ich bin im ganzen kritisch. Was immer es ist, ich bin schnell dabei eine Alternative zu finden oder eine abweichende Sichtweise einzunehmen. Ich bin skeptisch und nicht leicht zu überzeugen. Das ist auch eine (subtile) Form Nein zu sagen.

Igitur

Ob da ein Kausalnexus zwischen äußerer Welt und innerer Einstellung besteht, vermag ich nicht zu sagen. Ein Beweis wird sich letztlich nicht führen lassen. So oder so.

Beide Möglichkeiten können nur Anlass zu weiterem Bedenken bleiben.

  

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