Warum interessieren Sie sich für Kunst?

Dosso Dossi 010

Dosso Dossi, Der Weltenmaler Zeus

In ihrem Blogbeitrag zu einem ARTE Film „Kunst lieben, Kunst hassen“ stellt die Künstlerin Katia Kelm resigniert fest, die meisten Menschen könnten nicht erklären, warum ihnen Kunst wichtig sei.

was lernen wir? kunstpeople sind so doof, die wissen nichtmal warum sie sich für kunst interessieren.

Zugegeben, die Frage „Warum interessieren Sie sich für Kunst?“ ist nicht einfach zu beantworten.

Und angesichts des hohlen Geblubbers in dem ARTE Beitrag kommen mir zum wiederholten Mal Zweifel, warum ich mich eigentlich mit Kunst beschäftigen sollte.

Ich versuche die folgende Antwort:

Wo Nachdenken möglich ist

Als nachdenkender Mensch möchte ich mich dort aufhalten, wo Nachdenken möglich ist.

Ungeachtet der bedrückend negativen Beispiele in Katias Artikel, glaube ich, dass Kunst nach wie vor (bis auf weiteres) ein Feld ist, das relevante Fragen stellen kann.

— wer bin ich in Bezug auf meine Möglichkeiten und Fähigkeiten? (Kreativität)

— was gilt und was beansprucht Geltung? Aus welchen Gründen? Das Problem der Normativität der Kunst scheint mir weitaus problematischer als das der Wissenschaften. Denn es gibt keine Beweise.

— warum ist Schönheit manchmal wichtiger als Wahrheit?

— was ist ein Autor/Produzent? Und was ist ein Rezipient/Konsument?

Für diese und andere Fragen lohnt die Beschäftigung mit Kunst.

Das Problem, das auch durch Katias Artikel deutlich wird, ist, dass ich sehr wenige Menschen finde, die solche Fragen auf gehaltvolle Weise erörtern und nicht nur heiße Luft ablassen wollen.

Ich habe es fast aufgegeben und finde nur noch Trost in Büchern.

Und nun interessiert mich Deine Antwort. Warum interessierst Du Dich für Kunst?

Caveat

Dieser Artikel entstand vor meiner Bekanntschaft mit den kritischen Gedanken von Claus Borgeest. Aufgrund seiner Untersuchungen ist es mehr als fraglich, ob ‚Kunst‘ uns substantielle Erkenntnisse verschaffen kann, da unsicher bleibt, ob diese Erkenntnisse hinreichend begründet auf künstlerische Verfahren zurückzuführen sind. Also solche, die nur der Kunst eigen sind. Fragen hingegen kann alles mögliche aufwerfen, auch Astrologie oder Homöopathie.

  

9 Gedanken zu „Warum interessieren Sie sich für Kunst?

    1. mare

      für mich ist kunst freiheit
      religion ist keine freiheit
      glaube ist was selbst erwähltes, woran mensch sich klammert um weiterzumachen
      erkennen ist das wichtigste in einem menschen leben
      ihre vergangenheit erkennen
      ihre gegenwart vertehen und daraus die richtigen schlüsse ziehen
      kunst kann alles und alles ist kunst
      mich fasziniert die fähigkeit das auszudrücken, was ganz tief in einem drin ist, das ist kunst: das zu zeigen wie mensch das tiefste innere von einem auszudrücken vermag und es somit allen anderen zeigt
      und mein glaube ist, dass ich eines tages in der lage bin dies zu können

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  1. Sabine

    Hallo Stefan,
    ich kann Dein P. S. sehr nachvollziehen, und: sagt das nicht alles? Beantwortet Dir das nicht selbst ganz viel…?

    Ich finde es zu einfach, zu sagen, dass viele Künstler zu „doof“ sind, um sagen zu können, warum sie sich für Kunst interessieren. Mir ist es vergleichbar damit, auf die sogenannten „großen“ Fragen des Lebens auch selten wie aus der Pistole geschossene einfache, aber dennoch auch für andere Ohren sinnvolle Antworten haben zu können. Deswegen ist das hier auch nur ein Versuch:

    Ich interessiere mich für alle Möglichkeiten, mit Hilfe derer Menschen miteinander in Kontakt kommen können, um ihren Horizont – auf sich selbst und ihre Mitmenschen bezogen – erweitern zu können. Meine Hoffnung dahinter ist vermutlich eine immer weiter wachsende Akzeptanz und Verständnis füreinander.

    Liebe Grüße,
    Sabine

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  2. Stefan B. Adorno Beitragsautor

    Hallo Sabine,

    ja, ja, das PS ist wohl die engstmögliche Zusammenfassung.

    Ich finde Deine Antwort im Kern gut. Würde das auch so formulieren. Allerdings vermisse ich den Bezug auf Kunst. Warum gerade Kunst, – warum Kunst in vielleicht ausgezeichneter Weise Akzeptanz und Verständnis füreinander fördert? Oder könnte es auch irgendetwas anderes sein?

    Grüße
    Stefan

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    1. Sabine

      Ja, hab’s gerade gehört und – obwohl Du das nicht so magst 😉 – einen (für meine Verhältnisse kurzen 😉 ) Kommentar auf der fb-seminar-Seite hinterlassen; warum sollte dort eigentlich kein Feedback stattfinden…?

      Gute Frage, die Du stellst; warum gerade Kunst das fördert. Ich nehme an, weil Du mannigfaltigen und oft auf den ersten und manchmal auch auf die Folgeblicke Dir unverständlichen Ausdruck zulassen musst, jeder bei jedem, damit Kunst sinnvoll ist. Obwohl sich das Gegenüber nicht leicht erschließt, bist Du trotzdem willens, Dich einzulassen – das empfinde ich als DEN Grundgedanken überhaupt. Und das ist für mich auch in meinem vorigen Beitrag der Bezug zu Kunst.

      Viele Grüße und Gute Nacht,
      Sabine

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  3. Stefan B. Adorno Beitragsautor

    weil Du mannigfaltigen und oft auf den ersten und manchmal auch auf die Folgeblicke Dir unverständlichen Ausdruck zulassen musst

    Ja, das kann Kunst leisten, den Blick auf das jeweils andere und möglicherweise unzugängliche der menschlichen Existenz erschliessen. Kurd Alsleben hat dafür den schönen Begriff der „Anderweite“ gefunden.

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  4. MiLing

    Das muss doch mal gesagt werden, bevor wir ins GRASS beissen:
    Auf unsinnige Fragen kann man nur nichtssagende Antworten bekommen. Wer soll das ominöse Subjekt „die Kunst“ sein.- „Die Kunst“ als solche gibt es nicht mehr. Es gibt allenfalls ein Kunstsystem mit verschiedenen Faktoren wie etwa: Künstler_innen, Rezipient_Innen, Werke, Kritiker_innen, Galeristen, Kunstinstitutionen, Kunstzeitschriften…. Diese alle bilden das Subsystem Kunst, solange sie spezifische Differenzen zu anderen gesellschaftlichen Subsystemen hervorbringen können und bestimmen durch ihr Tun und Unterlassen den jeweiligen Zustand des Kunstsystems. Für dieses sind jeweils ganz unterschiedliche INTERESSEN entscheidend. Danach ließe sich sinnvoll fragen….

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