Ilya is not a commercial artist

Deutsche Bibliothek FFM

Deutsche Nationalbibliothek, Kunst am Bau

Kürzlich sprach ich in meiner Radiosendung darüber, dass Künstlern, die für ihre Arbeit Geld verlangen, gerade von Projekträumen (ebenso von Kunstvereinen) die Antwort begegnet, man sei nicht „kommerziell“.

Das erinnert mich an folgende Anekdote:

Mitte der 1990er Jahre wurde der Neubau der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main von einem ambitionierten Kunst am Bau Programm begleitet. Eine Jury, in der u.a. Kasper König und Jean-Christophe Ammann saßen, wählte Kunstwerke von Per Kirkeby, Georg Baselitz, Ilya Kabakov, Candida Höfer, Tobias Rehberger und Jochen Gerz aus.

Ein Kollege von mir ging damals Ilya Kabakov bei dessen Installation zur Hand und musste in Folge seinem Honorar hinterher laufen.

Irgendwann hatte er die Frau von Kabakov am Telefon, die ihm aufgrund seiner Geldforderung beschied:

Ilya is not a commercial artist.

Ja, das muss man sich mal reinziehen: Ilya is not a commercial artist!!!

Dabei war und ist Ilya Kabakov seit seinem spektakulärem Auftritt auf der Documenta IX (1992) einer der Top Künstler im internationalen Kunstbetrieb. Auf Artfacts Net wird er immer noch auf Platz 160 gelistet. Ilya Kabakov wird von der Galerie Thaddaeus Ropac vertreten, die ebenfalls zu den weltweit führenden Galerien zählt.

Wenn jemand kommerziell ist, dann Kabakov.

Nun zeigt diese Anekdote wie verheerend die Selbstwahrnehmung und Selbstbeschreibung der Kunst in Bezug auf ihre eigene Ökonomie wirkt, wenn selbst ein Künstler, der an heraus gehobenster Position im Kunstbetrieb steht als „nicht kommerziell“ beschrieben wird. Geld, Wirtschaft und unternehmerisches Kalkül darf unter keinen Umständen in der Kunst auftauchen. Genau das ist (ihre) Ideologie.

Als Antidot, um genau auf diese Ideologie hinzuweisen, würde ich gern die folgende Tafel an der Deutschen Nationalbibliothek anbringen:

Ilya is not a commercial artist --- ilya-1 copy

Ilya is not a commercial artist. (in Gold)

Sie sollte aus reinem Gold bestehen und genau dem Geldwert der Kabakov Installation entsprechen.

  

4 Gedanken zu „Ilya is not a commercial artist

  1. Sabine

    Hallo Stefan,

    das ist der Text, der auch als meine Antwort bei „Kultur kostet Geld“ auftauchen könnte: eins der Probleme ist die fehlende Transparenz und eins die Verquickung von zwei unvereinbaren Dingen: der gebotenen Unkäuflichkeit von „Kunst“ und der Bezahlung einer Arbeit, was grundsätzlich kein Widerspruch ist.

    Mir scheint, als hätten einige Künstler Angst, dass es genau zu dieser unseligen Verquickung in den Köpfen der Menschen kommen könnte: indem man sich eine Arbeit bezahlen lässt oder es überhaupt erst zugibt, bezahlt worden zu sein oder zu werden, verringert sich automatisch die Integrität der Arbeit.

    Die Gefahr ist erst gegeben, wenn man sich inhaltlich vor den Karren eines Auftraggebers spannen lässt; da müsste man natürlich sensibel bleiben.

    Und der Kunstbetrieb müsste aufhören, Preise mit den Arbeiten zu begründen, denn nicht nur manche Preise, sondern auch diese Vorgehensweise ist haarsträubend… eine Arbeit ist eine Arbeit, und der Markt ist der Markt. Arbeit kann immer bezahlt werden, ohne deren Inhalt zu verraten. Und es ist für mich kein Widerspruch, dass Kunst vom Materialistischen losgelöst betrachtet werden kann und (für mich) sollte.

    Viele Grüße,
    Sabine

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  2. rhododendron

    Vielleicht hat es Warhol ja genau deswegen so sehr Spaß gemacht, sich als „business artist“ zu bezeichnen und das dann noch so abzufeiern.

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