Der Künstler und der Bürokrat

finanzplan 1713-2

Finanzplan eines Kunstraums. Antrag bei der Kulturbehörde.

Gelegentlich der seltenen Diskussion um gerechte Vergabepraktiken in der Kunstförderung (siehe Kunstbeutel) liegt mir daran, den folgenden Beitrag des polnisch-kanadischen Künstlers Krzysztof Wodiczko abzubilden. Er stammt immerhin aus dem Jahre 1983:

Das Canada Council [of the Arts] muss wie in Polen und in jeder autoritären Maschine seine eigenen „coffee shops“ produzieren, seine alternativen Publikationen und Kunsträume, um seine eigene Position und Vorgehensweise zu kontrollieren und sich selbst als Medium eines kritischen Diskurses über seinen eigene Zukunft zu dienen.

Der endgültige Sieg des Canada Councils liegt in der perfekten Tarnung seines hauptsächlichen kulturellen Effektes: einer totalen bürokratischen Befriedung der intellektuellen kreativen Macht der künstlerischen Intelligenz und künstlerischen Kultur.

Die Sprache und Gestik der Künstler und der Bürokraten wird ununterscheidbar.

Näher betrachtet lässt sich ein erschreckendes Phänomen enthüllen: was für Warschau ein Alptraum oder eine unmittelbar drohende Gefahr (noch keine Wirklichkeit) wäre, hat schon in Toronto seine dreidimensionale Realisierung erfahren.

Schließlich scheint jeder gleichzeitig der Künstler und der Bürokrat zu sein.

In der glücklichen und angenehmen Atmospäre des staatlich-hoch-kulturellen-bürokratischen Musaks, im Klima der endgültigen Vereinigung alter Feinde, künstlerischer (anti-bürgerlicher) und modern-staatlicher (bürgerlicher) Avantgarden, in der Aura der Kommunion des bürokratischen Künstlers und des ästhetischen Bürokraten, erhebt die sich die Künstler-Intelligenz von Toronto zu einem weitaus höherem Ausmaß an Kollaboration als die Künstler in Polen. Sie erreicht eine bewußte Ebene, eine Ebene, von der ich sage, es ist kulturelle Korruption!

Quelle: http://www.photomedia.ca/forum/viewtopic.php?t=293

Der bürokratische Künstler und der ästhetische Bürokrat. Finden wir diese nicht an allen Orten vor?

  

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