Reden und Zuhören

Auf dem Hof der Zinnwerke. Vorne der Kunst-Imbiss, im Hintergrund das Listening Project. ---- hof-1190765-co-14-09-14

Auf dem Hof der Zinnwerke. Vorne der Kunst-Imbiss, im Hintergrund das Listening Project.

Die letzte Station meines Besuchs der Wilhelmsburger Kunst- und Ateliertage brachte mich zu den Zinnwerken. Auf dem Hof des Geländes fand ich eine wirklich spannende Installation: das Listening Project.

Ein speziell eingerichteter Wohnwagen diente als temporärer Gesprächsraum, der Besucher dazu einlud, für eine Viertelstunde mit einer oder einem der Künstler über ein beliebiges Thema zu sprechen. Grundlage ist das wechselseitige, aufmerksame und neutrale Zuhören. (Ein Zufall, dass ich gerade eben noch bei Eva Illouz über die Arbeit von Elton Mayo las, der das Zuhören in das unternehmerische Handeln einführte.)

Gesprächsraum --- wohnwagen-1190761-co-14-09-14

Gesprächsraum

Keine Frage, dieses Projekt von Rudolf Giesselmann, Marjan Tuk und Susan Tilley war ganz nach meinem Geschmack. Es eröffnet ein partizipatives Handlungsfeld, das auf geglückte Weise die Brücke zur Konversationskunst schlägt. Auch hier verschwinden Werk und Publikum im gemeinsamer sprachlicher Interaktion. Schade nur, dass es kein Wilhelmsburger, noch nicht einmal ein Hamburger Projekt ist, sondern als Nomadin sich durch den Raum bewegt. Demnächst in Husum.

Kunst und Wohnwagen

Nur nebenbei, man sollte vielleicht mal, so nicht schon geschehen, eine Geschichte des Wohnwagens/Wohnmobils in der Kunst schreiben. Da kämen viele Beispiele zusammen. Annette Gloser (Sierretta Nevada). Oliver Augst (Reiseradio). Datscharadio. Carsten Höller (Mückenbus). In Hamburg der Kunst-Imbiss oder die mobile Sauna von Florian Tampe. Und vielleicht noch mehr.

Abflug

Wider Erwarten und eher zufällig bin ich inmitten der ganzen Malerei bei den Wilhelmsburger Kunst- und Ateliertagen doch noch auf zwei interessante Projekte gestossen. Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben, nicht ganz allein zu sein, und meine Heimfahrt beflügelt. Erfüllter Tag.

  

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