Im Vollweiss

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Abends war ich noch bei 2025 in der Ruhrstraße 88. Seit geraumer Zeit kommen über die Echo-Liste Einladungen zum Format AKTION:

AKTION wird jeden Freitag des Jahres von 20-23 Uhr für eine künstlerische Position offenstehen. Es sind ausdrücklich ALLE künstlerischen Ausdrucksformen erlaubt. Darüber hinaus auch Positionen, die sich an den Rändern etablierter Kunstrichtungen befinden. Die AKTIONen werden zeitnah und fortlaufend auf der eigens eingerichteten Website dokumentiert. Das Projekt wird von einer Arbeitsgruppe bestehend aus Künstlern des Kunst und Kultur e.V. 2025 kuratiert.

Reiner Maria Matysik hat den ganzen Raum voll mit weissem Nebel geblasen. Quasi eine Erweiterung der weissen Wände ins Dreidimensionale. Es war nicht mehr zu sehen, als eine diffuse weisse Wand vor den Augen.

Dass es sich hier um einen Endpunkt einer Entwicklung handeln sollte, – nach dem weissen Quadrat der weisse Kubus -, liess sich unschwer zu erraten. Folglich war der Ausstellung folgendes Mini-Manifest beigegeben:

wir wissen alles, wir können alles, wir haben alles schon gesehen. es gibt genug kunstwerke und installationen, die das verhalten, die intuition und reaktionen zwischen naturphänomenen und menschen erkunden.

die relation von objekt und subjekt hat sich in den letzten jahrzehnten rasant verändert. nach zeiten des neuen und aufregenden bleibt nichts mehr als die untätigkeit. die originäre bildgenese als primäre aufgabe der kunst ist entfallen. entsubjektivierter ort der reflektion sind bereits existierende bilder, objekte und räume. es bleibt nur noch die möglichkeit die welt aus dem diffusen zu begreifen; nicht durch immer mehr licht und klarheit. das moment des klaren gedankens wird nebensächlich, das potential der bilder und gegenstände im kunstraum als solches ist gering geworden. die visuelle reflektion kann allein im unklaren erfolgen. allein im nebel der formnegation kann gedacht werden.

Blinzelnd, mir die Augen reibend, trat ich ins Freie und verlangte ein Bier.

  

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