Kunst und Markt

20110617 weekend Oldemarkt 111 Kunstmarkt

Ich glaube, ich muss langsam mal eine Liste von Mythen aufstellen, die sich besonders hartnäckig in der Kunst halten. Nach der Vorstellung, dass Kunst etwas zeigen müsse, kommt hier die Abneigung gegen den Kunstmarkt.

Laut Peter Weibel in Brand Eins muss es ihm gegenüber gleich zum Krieg kommen:

Ich plädiere für den Sezessionskrieg zwischen dieser Marktkunst und der Kunst der relevanten Museen, ähnlich dem Sezessionskrieg zwischen den Nord- und Südstaaten Amerikas. Man muss die Sklaven des Kunstmarktes befreien. Es ist die Aufgabe der Museen, die Bedingungen einer freien Kunst für freie Künstler wiederherzustellen. Die Museen müssen den Gagosian-Luxusglitter und -flitter nicht mit Ausstellungen aufwerten.

Natürlich hat Weibel recht, was die Top-Seller, die Top 100 des Kunstmarktes angeht. Es war wirklich schwer einzusehen, warum ein Jeff Koons noch eine von öffentlichen Geldern unterstützte Ausstellung im Städelmuseum bekommen musste.

Ob das Museum wirklich in der Lage ist die Bedingungen einer freien Kunst für freie Künstler wiederherzustellen wage ich allerdings zu bezweifeln. Das Museum ist auch ein ideologischer Staatsapparat, der keineswegs dem Wohl aller Künstler verpflichtet ist.

So schreibt Stefan Heidenreich:

Wenn der Einfluß des Kapitals und des Kunstmarkts geschwächt werden soll, wird automatisch das Museum als führende Institution gestärkt und gegen Kapitaleinflüsse abgeschottet. Ein Monopol der staatlichen Institutionen liegt nicht zuletzt im Interesse der Theoretiker, da sich dort ein geschlossener Zirkel von institutionalisierter Theorie und institutionalisierter Kunst ergibt. In einem Museum, das gänzlich vom Markt und dessen Einflüssen abgekoppelt wäre, erhielte die Theorie die Entscheidung über das, was Kunst ist. [in Was verspricht die Kunst?, S. 168]

Letztlich müssen sich aber die Künstler nicht weiter um das Treiben von Koons, Gagosian & Co. kümmern. 90% (und wahrscheinlich noch mehr) von ihnen verhalten sich komplett marktfern. Sie leben weitgehend von und konkurrieren um öffentliche Unterstützung. Solange sie den Kunstmarkt ablehnen, bleiben sie weiter vom Staat abhängig.

Es sollte mehr Markt für das Gros der Künstler geben. Die Eskapaden einiger weniger „Spitzen“-Künstler und -Galleristen darf nicht dem Argument dienen, den Markt abzulehnen.

  

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