Scheitern mit Erfolg

Art Store St. Pauli

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Heute mittag kam über die Echo-Liste eine Ankündigung der Gruppe Lomu, die deutlich machte, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Ausstellung handeln würde. Thema der annoncierten Aktion war das Scheitern:

Ein neuer Twist macht die Runde: Scheitern ist cool. Scheitern als Chance. Von Management-Literatur bis zu Lifestyle-Magazinen wird sich darüber ereifert, dass die Deutschen das Scheitern lernen müssten, so wie es die Amerikaner könnten. Weg mit mit allen moralischen Untertönen. Auf die Schnauze gefallen? Aufstehen, Mund abwischen, weitermachen. So lernet mit Würde und Cleverness zu scheitern.

In dem kleinen Raum in St.Pauli, der leider ansonsten eine Galerie ist, fanden die Besucher zwei Einladungen zur Interaktion vor.

Auf der linken Wand konnte man eigene Gedanken zum Scheitern anbringen. Auf der rechten Seite hingen kleine Abbildungen von Prominenten, die man in ein Koordinatensystem des Erfolgs oder Misserfolgs bewegen konnte.

Zu späterer Stunde wurde noch vor der Tür eine Feuertonne entzündet, der man Holzstücke übergeben konnte, die man zuvor mit demjenigen beschriftet hatte, an dem man gescheitert war. Ein Scheiterhaufen!?

Das fand alles in sehr lockerer und spielerischer Weise statt. Statt an passiver Rezeption zu scheitern, wurde hier die Mitarbeit am Kunstwerk zum Erfolg.

Vorbildlich. Davon sollte es mehr geben.

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Und vorläufig rückläufig auch noch der Artikel in der NZZ. Wenn Künstler scheitern:

Auch im kreativen Milieu spiegeln sich die Abstiegsängste der Mittelschichten. Trotz langen Flauten und akuter Krise setzen sie alles daran, nicht als «gescheiterte Künstler» dazustehen. Ute Weiss-Leder, Künstlerin und Pressesprecherin des Berufsverbandes Bildender Künstler in Berlin (BBK), hat die Beobachtung gemacht, dass die Selbstvermarktung unter Künstlern längst zu einer Selbstverleugnung geworden ist: Über Probleme, Zweifel und Misserfolge wage kaum noch jemand zu reden, selbst unter Freunden fürchteten viele als Verlierer abgestempelt zu werden.

http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/literatur_und_kunst/hoert-auf-zu-jammern-1.5096839

  

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