Kunstwerke sind keine Konsumartikel

Kunstwerke sind keine Konsumartikel.

Sie sind Mittel und Wege uns selbst und unsere Umwelt besser zu verstehen.

Als Werkzeuge können sie uns als Hilfsmittel dienen Erkenntnis zu erlangen. Eine Erkenntnis, die wir nicht als fertige aus den Werken entnehmen, sondern nur als eigene Leistung erreichen können.

Kulturpolitik sollte darauf abzielen, Verfahren zu unterstützen, die die Eigenaktivität und Eigenverantwortung der Rezipienten/Konsumenten stärken.

Kultureinrichtungen sollten daher statt fixer Werke (Bilder, Filme, Theaterstücke) Anregungen schaffen, eigene ästhetische Forschungen und Produktionen anzustossen.

Museen sind keine Shopping-Malls, sondern Trainingscenter für den Erwerb ästhetischer Kompetenzen.

In Wirklichkeit ist jeder Leser, wenn er liest, ein Leser nur seiner selbst. Das Werk des Schriftstellers ist dabei lediglich eine Art von optischem Instrument, das der Autor dem Leser reicht, damit er erkennen möge, was er in sich selbst vielleicht sonst nicht hätte erschauen können.

Proust

Wie das System der Wirtschaft nicht von Waren, sondern von Zahlungen lebt, und das Rechtssystem sich nicht auf Gerichte, sondern auf normative Erwartungen stützt, so behauptet Luhmann auch für das Kunstsystem, daß es aus besonderen Kommunikationen besteht, die Ereignis- und nicht Objektcharakter haben.

Kunst lebt heute nicht mehr in den Werken, sondern durch die Kommunikationen über die Produktionen, die Werke genannt werden.

Insofern muß, so sagt er [Luhmann] weiter, in der Kunst „nur noch Kommunikation funktionieren, während alles weitere in den zweiten Rang einer dafür notwendigen Bedingung versetzt wird“.

Michael Lingner
http://ask23.hfbk-hamburg.de/draft/archiv/ml_publikationen/kt92-12.html

„Wenn die Kunst nach der Analyse von Niklas Luhmann zu einem System in der Gesellschaft geworden ist, können nicht mehr als dessen eigentliche Grundelemente und als ontologische Träger des Ästhetischen die Werke angesehen werden. Wie das Wirtschaftssystem nicht von Waren, sondern von Zahlungen lebt und das Rechtssystem sich nicht auf Gerichte, sondern auf normative Erwartungen stützt, so besteht nach Luhmann auch das Kunstsystem aus besonderen Kommunikationen. Diese haben den Charakter von Ereignissen und nicht von Objekten, denen dann die Funktion zukommt, Kommunikation zu initiieren, in Gang zu halten und ihr einen gemeinsamen Bezugspunkt zu geben.“

Michael Lingner
http://ask23.hfbk-hamburg.de/draft/archiv/ml_publikationen/kt92-10.html

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Ursprünglich 2.5. 2011 (Beitrag zu einem Arbeitskreis Kultur der GRÜNEN Frankfurt)

  

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