Ein besserer Künstler

Heute las ich auf Facebook einen Eintrag von CW:

Wollte darüber schreiben, ob ich ein besserer Künstler wäre, wenn ich „verkaufen“ würde. Woran ich gut und böse – ähh schlecht – überhaupt festmache.

Lieber CW,
eine solche Betrachtung scheint mir schon spezifisch für die Problematik von Kunst zu sein.

Man stelle sich vor, ein Metzger fragte sich, ob er ein besserer Metzger wäre, wenn er verkaufen würde. Ich denke, die Antwort wäre eindeutig JA. Denn was wäre (noch) ein Metzger, wenn er nichts verkaufte?

Die Kunst dagegen ist ein Feld auf dem es durchaus möglich ist, als Produzent nicht von seinen Produkten leben zu können, ohne sich schämen zu müssen.

So schreibt Marion von Osten:

Aber es gibt[…] einen wichtigen Unterschied zum Feld des Manager-Diskurses. Und zwar wird das Versagen auf dem Markt anders gewertet als im künstlerischen Feld. Der/die am Markt erfolglose KünstlerIn kann immer noch andere Subjektpositionen geltend machen und das Versagen förmlich verwandeln. Die Figur des nicht anerkannten Künstlers oder der unentdeckten Künstlerin kann insofern noch in jedem Moment des ausbleibenden Erfolgs mobilisiert werden, als dass das Versagen mit Motiven wie „die Zeit ist noch nicht reif“, aber „Qualität wird sich letztlich durchsetzen“ oder „Anerkennung kann eben spät kommen“ (spätestens nach dem Tod) legitimiert wird.

Diese Position, die das Versagen auf der einen Seite durch ein idealisiertes Selbstbild auf der anderen Seite zu kompensieren sucht, ist allerdings keineswegs zweifelsfrei, wie Dein eigener Beitrag erweist. Die Unsicherheit, ob sich das eine mit dem anderen verrechnen lässt, ist gross, denn es gibt immer Künstler, denen auch zu Lebzeiten Erfolg gegönnt ist. Das schmerzt.

Ich denke, es könnte helfen, wenn Du/wir erkennen würden, dass die von Dir aufgeworfene Fragestellung ein ideologisches Konstrukt ist, das eine bestimmte Vorstellung und letztlich auch Realisierung von Kunst präfiguriert.

Wir sollten versuchen folgendes zu denken:

Die Kunst, die uns heute beispielhaft, öffentlich beglaubigt, vom Markt begehrt, begegnet exisitiert GENAU WEIL es ganz viele Künstler gibt, die nichts verkaufen.

Nur sie bilden die Folie, vor der sich der Erfolg der anderen abzeichnet und glaubhaft werden lässt.

Die Antwort darauf kann nur sein, das Spiel nicht mehr mitzuspielen und sich zu fragen: Was wäre denn so schlimm, wenn ich kein Künstler mehr wäre?

In diese Selbstbefragung einzutreten, machte Dich in meinen Augen – paradoxerweise – tatsächlich zum „besseren Künstler“.

Dein
Stefan

  

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